Geschichten

unbearbeitet 2024

Die Geschichte des Toggenburgs zeigt sich nicht nur in Chroniken und Urkunden. Sie findet sich auch in Bergnamen, Flurbezeichnungen und historischen Orten, die bis heute Teil der Landschaft geblieben sind. Manche Zusammenhänge sind gut dokumentiert, andere geben bis heute Anlass zu unterschiedlichen Deutungen.

Zeugen der Vergangenheit

Der Name Churfirsten gibt bis heute Rätsel auf und wird in der Forschung auf verschiedene Weise erklärt, wobei nicht alle Theorien gleich belegt sind. Sicher ist, dass der zweite Bestandteil, First, im alemannischen Sprachraum für einen Dach- oder Gebirgskamm steht und die markante Form der Gipfel treffend beschreibt. Weniger eindeutig ist die Bedeutung von Chur. Sprachwissenschaftler sehen darin entweder einen Bezug zum Bistum Chur oder zu einem alten Flurnamen, ein gesicherter Nachweis fehlt jedoch. Eine volkstümliche Deutung verbindet die sieben markanten Gipfel der Churfirsten mit den Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs. Diese Deutung stammt vermutlich nicht aus der Zeit, als der Name entstanden ist, sondern entwickelte sich erst später im Sprachgebrauch. Frühere Schreibweisen wie Churfürsten oder Churfürschte belegen, dass sich die Lautung laufend verändert hat, bis sich die heutige Form Churfirsten durchsetzte. Der Name selbst ist damit Teil der Kulturgeschichte und nicht nur eine geografische Bezeichnung.

Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert bestimmten die Grafen von Toggenburg die Geschichte der Region. Ihr Stammsitz war die Burg Alt-Toggenburg auf dem Iddaberg bei Kirchberg, später residierten sie auf der Burg Neu-Toggenburg oberhalb von Oberhelfenschwil. Das Geschlecht verfügte über weitreichenden Besitz, der bis ins Rheintal und nach Graubünden reichte und gehörte zu einer der einflussreichsten Familien im Spannungsfeld zwischen Habsburg, Zürich und dem Kloster St. Gallen. Mit dem Tod von Friedrich VII. im Jahr 1436 erlosch die Linie. Sein kinderloses Ableben führte zu einem Erbstreit, in den Zürich, die Habsburger und weitere eidgenössische Orte verwickelt waren. Daraus entwickelte sich der Alte Zürichkrieg (1440 - 1446), einer der grossen Konflikte des Spätmittelalters in der Eidgenossenschaft. Zürich verbündete sich mit Habsburg gegen die übrigen eidgenössischen Orte, erlitt mehrere Niederlagen und musste im Frieden von Einsiedeln seine Ansprüche aufgeben. Für das Toggenburg bedeutete diese Auseinandersetzung jahrelange Unsicherheit und wechselnde Herrschaftsansprüche.

Geschichte zeigt sich nicht nur in Herrschaft und Konflikten, sondern auch in den Flurnamen, die die Landschaft durchziehen. Viele von ihnen gehen auf das Althochdeutsche zurück und beschreiben die Nutzung oder Lage des Landes: Matt für eine Wiese, Boden für eine ebene Fläche, Egg für einen Grat oder Rain für eine Geländekante. Andere Namen haben ihren Ursprung im Rätoromanischen, das bis ins Spätmittelalter im Toggenburg präsent war. So weist Sellamatt mit dem Bestandteil -matt klar auf eine Weide hin, während Sella- als „Sattel“ gedeutet wird – eine Bezeichnung für Mulden oder Geländeeinschnitte. Der Name Iltios dürfte dagegen auf den Iltis zurückgehen, der sowohl im althochdeutschen wie im romanischen Sprachgebrauch vorkommt. Solche Flurnamen sind unmittelbare Zeugnisse dafür, wie Menschen ihre Umgebung wahrnahmen, nutzten und in Sprache fassten.

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© (c) Toggenburg Tourismus - Foto: Silvana Huser. CC0 (OpenData)