Geologie

sonnig, unbearbeitet 2024

Die Churfirsten wirken zeitlos. Tatsächlich reicht ihre Geschichte weit zurück und begann lange bevor die ersten Flüsse durch das Tal flossen, Wälder die Hänge bedeckten oder Menschen die Landschaft besiedelten. Gesteinsschichten, Fossilien und Landschaftsformen geben Einblicke in eine Zeit, als das heutige Toggenburg noch Teil einer völlig anderen Welt war.

Erdgeschichte

Die Landschaft des Toggenburgs trägt Spuren, die weit älter sind als Wälder, Flüsse oder Siedlungen. Vor rund 150 Millionen Jahren lag hier ein tropisches Meer, das zum Urmeer Tethys gehörte. Über lange Zeiträume setzten sich die Schalen von Muscheln, Korallen und Kleinstlebewesen am Meeresgrund ab. Unter Druck verfestigten sie sich zu Kalk- und Schiefergestein. Während der Alpenbildung vor etwa 20 bis 40 Millionen Jahren wurden diese Schichten aufgefaltet und zu mächtigen Gebirgen aufgetürmt. Fossilien, die heute noch im Gestein erhalten sind, zeugen von dieser fernen Epoche.

Aus diesen Meeresablagerungen formten sich die markanten Ketten des Alpsteins und die Reihe der Churfirsten. Beide gehören zur sogenannten Säntisdecke. Geologisch sind sie eng verwandt, ihr Erscheinungsbild ist jedoch unterschiedlich. Der Alpstein mit dem Säntis als höchstem Gipfel wirkt massig und vielfältig, durchzogen von Graten, Tälern und zerklüfteten Felsflanken. Die Churfirsten dagegen erscheinen als gleichförmige, steil nach Norden abfallende Mauer. Gemeinsam ist beiden der Aufbau aus kalkigen Gesteinen wie dem Schrattenkalk. Dieser ist besonders stark zur Verkarstung neigend: Wasser löst den Kalk über Jahrtausende auf und formt Rinnen, Dolinen, Karrenfelder und Höhlen. So entstehen die typischen zerfurchten Flächen, die diesen Gebirgen ihr charakteristisches Gesicht geben.

Jünger ist die Entstehung des Nagelfluhgebirges. Vor rund 30 Millionen Jahren lagerten Flüsse Geröllmassen am Alpenrand ab. Unter Druck verfestigten sie sich zu Nagelfluh – einem Konglomerat aus abgerundeten Steinen, Sand und Ton, das wie Naturbeton wirkt. Besonders eindrücklich zeigt sich dies am Speer, dem höchsten Nagelfluhberg Europas. In seinen Felsen sind die Gerölle klar zu erkennen: Kiesel, die einst in Flüssen rollten und nun zu einem festen Gestein verbunden sind.

Die Geologie formt nicht nur die Berge selbst, sondern auch die Böden und damit die Pflanzenwelt, die darauf gedeiht. Kalkreiche Hänge tragen artenreiche Magerwiesen, während Nagelfluhschichten Wasser speichern und Quellen nähren. So zeigt sich, dass das Gestein weit mehr ist als Hintergrund der Landschaft – es wirkt bis in ihre Vielfalt hinein und bestimmt die Grundlagen, auf denen Natur und Leben aufbauen.

unbearbeitet 2024
© (c) Toggenburg Tourismus - Foto: Andrej Barnes. CC0 (OpenData)